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Glasuren faszinieren mich. Gerne gebe ich meine Begeisterung weiter: Für eine Gruppe von 4 Personen führe ich gerne einen Kurs zur Glasurentwicklung für den Hochbrandbereich durch. An 5 intensiven Tagen lernst Du, aus Rohstoffen selber Glasuren zu entwickeln und zielgerichtet zu verändern. Melde Dich, falls Du Interesse hast, mit einem E-Mail.

Die Glasur

Die meisten keramischen Glasuren sind einfach herzustellen: Für eine Glasur im Hochbrandbereich (ich brenne bei 1278°) reichen 4 Zutaten: Feldspat, Kreide, Quarz und Kaolin. Aus diesen Grundzutaten lassen sich unzählige Variationen herstellen. Es gibt aber einige Glasuren und Glasureffekte, die schwer zu erreichen sind und viel Geduld brauchen. Dazu gehören die Kristallglasuren, die kupferroten Glasuren und die Ölfleckenglasuren.

Kristallglasuren

Kristallglasuren haben ihren Namen von den Kristallen, die sich in der Glasurschmelze bilden und im erkalteten Zustand als Flecken, eben als Kristalle, sichtbar sind. Der Prozess, in dem diese Kristalle entstehen, ist mit der geologischen Kristallbildung vergleichbar, geschieht aber viel schneller.
Die Kristalle in diesen Glasuren sind immer Willemite, Zinksilikatkristalle. Sie wachsen, wenn der Ofen abkühlt, also zwischen 1278° und ca. 1060°.
Damit sie überhaupt entstehen können, muss die Glasurmischung einen hohen Anteil Zinkoxid enthalten.
Meine Kristallglasuren sind matt. Die Mattierung kommt daher, dass neben dem Zink auch ein relevanter Anteil Bariumcarbonat in der Glasurmischung ist. Barium in hohen Anteilen macht matt.
Meine Kristallglasuren bestehen also zur Hauptsache aus Zinkoxid, Bariumkarbonat, Feldspat und Quarz.
Kristallglasuren sind schwer zu erreichen, gerade weil sie diese Glasurzusammensetzung bedingen: Glasuren mit einer solchen Zusammensetzung sind im geschmolzenen Zustand sehr flüssig. Sie laufen also gerne vom Stück ab und das Stück bäckt an der Ofenplatte fest, oder sie sind so flüssig, dass die Kristalle im Fluss wieder zerstört werden, oder die Moleküle bewegen sich so frei, dass es zu viele Kristalle gibt, die sich gegenseitig im Wachstum behindern und eine raue Oberfläche hinterlassen, oder... oder... oder....
Die Glasurzusammensetzung muss deshalb sehr genau auf die Brandführung abgestimmt sein. Weil jeder Ofen etwas anders brennt, können diese Glasurrezepte kaum von einem Töpfer an den anderen weitergegeben werden. Auch eine Rezeptsammlung in einem Buch hilft nur für den Start: Das Resultat aus dem eigenen Ofen wird nicht dem entsprechen, was im Buch abgebildet ist. 
Die Farben meiner Kristallglasuren entstehen durch eine fein abgestimmte Zugabe der färbenden Oxide Kupfer, Kobalt, Mangan, Eisen und Nickel.
Das bemerkenswerte an meinen Kristallglasuren ist neben den Kristallen selber die Haptik: Berühren und spüren Sie die samtzarte Oberfläche, wenn Sie mal bei mir sind!

Ölfleckenglasuren

Ölfleckenglasuren heissen so wegen den schillernden dunklen Flecken. Sie haben eigentlich nichts mit Öl zu tun.
Die Glasur muss zu 6 bis 10 Prozent aus rotem Eisenoxid bestehen. Ab einer Temperatur von circa 1230° wechselt das Eisenoxid (Fe2O3) seine Phase: Aus Fe2O3 wird Fe3O4 oder FeO. Dabei wird O (Sauerstoff) frei. Dieses blubbert an die Oberfläche, zieht dabei Eisen mit und hinterlässt dieses in fleckigen Konzentrationen. Dieser Prozess dauert ein Weilchen: Ich verlängere die Phase zwischen 1245° und 1278° gegenüber der normalen Brandführung, wo sie 30 – 60 Minuten dauert, auf einige Stunden.
Dass der gewünschte Effekt eintritt, müssen ein paar Randbedingungen erfüllt sein:

  • Die Glasur muss recht dick aufgetragen werden: eine normale Glasur ist weniger als einen Millimeter dick aufgetragen - Ölflecken-Glasuren funktionieren erst dann gut, wenn sie einige Millimeter dick sind. Schon diese Anforderung kann eine Herausforderung darstellen, denn die ungebrannte Glasur löst sich, wenn eine zweite Schicht aufgetragen wird wieder ab. Dies geschieht besonders dann, wenn die erste Schicht nicht ganz trocken ist. Man muss deshalb über mehrere Tage hinweg immer wieder vorsichtig eine Schicht auftragen.
  • Die Glasur muss so sein, dass sie im geschmolzenen Zustand „steht“. Nur so bleiben die Ölflecken erhalten. In flüssig-schmelzenden Glasuren verlaufen die Konzentrationen gleich wieder. Allerdings darf sie nicht zu „steif“ sein, sonst können die Sauerstöffchen nicht an die Oberfläche blubbern oder sie hinterlassen Blasen. 
Glasuren mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an Feldspat und einem gewissen Anteil Magnesium, z.B. aus Dolomit oder Talkum, ergeben die richtige Steifheit.
  • Die Ölflecken entstehen nur im oxidierenden Brand – wenn also genug Sauerstoff im Brennraum vorhanden ist.

 

Kupferrote "Ochsenblut" Glasuren

Kupferrote Glasuren entwickeln sich im reduzierenden Brand. „Reduktion“ passiert, wenn nicht genügend Sauerstoff im Brennraum ist, und die Flamme sich deshalb Sauerstoff aus den Molekülen der Glasurbestandteile holt. So wird aus Kupferoxid (grün) elementares Kupfer (rot).
Also brauchen wir ein Glasurrezept, das Kupferoxid enthält, und das es erlaubt, dass das Sauerstöffchen aus der Schmelze entweichen kann.
Das wichtigste ist aber die Brandführung. Während „normale“ Brände im Elektroofen über Nacht dank einer elektronischen Steuerung von selber laufen, brauchen reduzierende Brände enge Begleitung.
Ich brenne in einem Gasofen. Vom Zünden am Morgen bis zum Abstellen etwa 10 Stunden später überwache und justiere ich den Gasdruck, die Kaminöffnung und die Sauerstoffzufuhr. Dass ich das Ende des Brandes erreicht habe, stelle ich mit einem Kontrollkörper im Ofenraum fest, den ich durch ein Gucklock beobachte. Dies ist oft schwer zu erkennen, da der Ofenraum weiss glüht und alles nur noch gleissend hell blendet.
Viele Stücke zeugen von der Bewegung der Flamme im Ofen. Neben der ganz eigenen Farbe macht dies den Reiz dieser Stücke aus – sie sind einzigartig.